Stiftungsstatut

Die Gründungsurkunde von 1889 besteht aus nur 17 Paragraphen und regelt die von Ernst Abbe verfolgten Stiftungszwecke, Fragen der Übertragung des Vermögens auf die Stiftung, vor allem aber der Verwendung der Unternehmenserträge. Im Mittelpunkt steht die Förderung wissenschaftlicher Zwecke an der Universität Jena.

Das Stiftungsstatut von 1896 mit insgesamt 122 Paragraphen unterscheidet sich von der Gründungsurkunde dadurch, dass Ernst Abbe seine unternehmerischen Grundprinzipien zur Unternehmensführung, aber auch zur Förderung und sozialen Sicherung der Arbeitnehmer detailliert in das Statut aufnimmt, um auf diese Weise die Stiftung dauerhaft auf diese Prinzipien zu verpflichten.

Das Statut wurde als interne Unternehmensverfassung der Stiftungsunternehmen jedem Mitarbeiter ausgehändigt. Mit seinen Regelungen zur Kranken-, Pensions- und Hinter-
bliebenenversicherung, den Arbeitszeit-, Lohn- und Urlaubsregelungen und einem eigenständigen Arbeiterausschuss zur Abgabe beratender Stellungnahmen gegenüber dem Vorstand war es vorbildhaft für seine Zeit.

An dem eigentlichen Stiftungszweck zur Förderung der Wissenschaft änderte sich dadurch jedoch nichts. Das zeigt das Ergänzungsstatut von 1900 mit 14 Artikeln, das die Zuwendungen an die Universität Jena über den bereits 1886 eingerichteten „Ministerialfonds für wissen-
schaftliche Zwecke“ (Universitätsfonds der Carl-Zeiss-Stiftung) regelte. In für die damalige Zeit geradezu visionärer Weise ist Ernst Abbe mit dem Statut von 1896 also die Verknüpfung einer modernen arbeitnehmerfreundlichen Unternehmensphilosophie mit einem unternehmerischen Mäzenatentum gelungen. Ein halbes Jahrhundert hat es dann noch gebraucht, bis die von Ernst Abbe entwickelten und realisierten Prinzipien sich in Form eines modernen Arbeitsrechts und einer auch am Gemeinnutzen orientierten Unternehmensphilosophie in breiterem Umfang in Deutschland durchgesetzt haben.

Mit der Carl-Zeiss-Stiftung verfolgte Ernst Abbe verschiedene Ziele, deren Verwirklichung durch das Stiftungsmodell dauerhaft gesichert werden sollte: Erhalt der Unternehmen und ihrer wirtschaftlichen Leistungskraft, Förderung und soziale Sicherung der Mitarbeiter einschließlich des sozialen Umfeldes, Förderung der Wissenschaft aus den Erträgen der Unternehmen. Die Erfüllung dieser Ziele ist bis heute – mit zeitbedingt zum Teil unter-
schiedlichen Schwerpunkten – gelungen.

Im Rahmen der grundlegenden Stiftungsreform des Jahres 2004 wurde das Statut der Carl-Zeiss-Stiftung an die eingetretenen gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und rechtlichen Veränderungen angepasst; es ist seit 1.7.2004 in Kraft. Bei der Reform wurde ganz bewusst an die ursprünglichen Ziele Ernst Abbes angeknüpft. Die förmliche Trennung der Stiftungs-
unternehmen von der Stiftung durch Überführung der Unternehmen in rechtlich selbständige Aktiengesellschaften zeigt inzwischen die gewünschten Ergebnisse: durch klarere Zuordnung einzelner Stiftungszwecke zu einzelnen Verantwortungsträgern werden die verschiedenen Stiftungszwecke noch wirksamer nebeneinander realisiert.
Die nicht mehr den tatsächlichen und rechtlichen Rahmenbedingungen entsprechende Regelung zur Altersgrenze (der Mitglieder des Stiftungsrats) wurde im Jahre 2009 geändert.

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