1891 - 1919

Volkshaus in Jena um 1905


1891

Ernst Abbe bringt seine Anteile an den beiden Unternehmen und die von Roderich Zeiss in die Stiftung ein.
30. Juni: Eintragung der Carl-Zeiss-Stiftung als Eigentümerin von Zeiss und anteilig Schott im Handelsregister.

1896

Unter Berücksichtigung der zwischenzeitlichen Übertragung der Unternehmensanteile auf die Stiftung wird die Gründungsurkunde von einem Stiftungsstatut abgelöst, in dem Ernst Abbe zusätzlich zu den bisherigen Stiftungszwecken der Stiftung als neuer Eigentümerin der Stiftungsunternehmen die sozialen Pflichten und Bindungen auferlegt, die auf Dauer innerhalb der Unternehmen gelten sollten. Am 1. Oktober tritt das überarbeitete Statut der Carl-Zeiss-Stiftung verbindlich in Kraft. Es ist damit gleichzeitig für über ein Jahrhundert Unternehmensverfassung der Stiftungsunternehmen. Mit seinen Regelungen zur Kranken-, Pensions- und Hinterbliebenenversicherung, den Arbeitszeit-, Lohn- und Urlaubsregelungen und einem eigenständigen Arbeiterausschuss zur Abgabe beratender Stellungnahmen gegenüber dem Vorstand ist es vorbildhaft für seine Zeit. Das Statut greift Entwicklungen voraus, die sich mehr als ein halbes Jahrhundert später in Form eines modernen Arbeitsrechts normativ niederschlagen. So wird beispielsweise die Regelung über die Arbeitervertretungen erst 1952 mit Inkrafttreten des Betriebsverfassungsgesetzes gegenstandslos. Neben diesen Stiftungszwecken, die jeweils innerhalb der Stiftungsbetriebe zu erfüllen sind, sieht das Statut verschiedene Förderbereiche außerhalb der Stiftungsbetriebe vor, zu denen nun neben der Förderung der Wissenschaft (in Gestalt der Universität Jena) auch die Förderung allgemeiner Interessen der feintechnischen Industrie und Maßnahmen zugunsten der arbeitenden Bevölkerung im Raum Jena treten. Schwerpunkt bleibt aber die Förderung der Wissenschaft.

1900

In einem Ergänzungsstatut vom 24. Februar zum Statut der Stiftung regelt Ernst Abbe detailliert Art und Verfahren der Zuwendungen der Carl-Zeiss-Stiftung an die Universität Jena und deren Verwendung.

1903

Einweihung des von der Stiftung erbauten Volkshauses in Jena, in dem eine Bibliothek sowie Vereins- und Versammlungsräume untergebracht sind.

1905

Tod Ernst Abbes am 14. Januar.

1911

Errichtung des von Henry van de Velde entworfenen Abbe-Denkmals in Jena. Es beherbergt im Innern Bronzereliefs von Constantin Emile Meunier und eine Marmorherme von Max Klinger.

1919

Otto Schott überträgt seine Anteile auf die Stiftung, wodurch die Stiftung auch Alleineigentümerin des Glaswerkes wird.

Beispiele der Fördertätigkeit der Carl-Zeiss-Stiftung zwischen 1889 und 1945

Gefördert werden vor allem soziale und kulturelle Einrichtungen Jenas und der Jenaer Universität. In manchen Jahren (z. B. 1904) übersteigen die Zuwendungen der Carl-Zeiss-Stiftung an die Universität Jena sogar die staatlichen Ausgaben für die Universität. Neben einem umfangreichen Bauprogramm werden Professoren- und Dozentenstellen finanziert und Zuschüsse oder Sachleistungen zu Instituten oder Projekten geleistet. Die bedeutendsten Fördervorhaben der Zwischenkriegszeit waren die Errichtung einer der ersten reinen Kinderkliniken Deutschlands sowie des Abbeanums, eines markanten Gebäudes im Bauhaus-Stil, das das Optische Institut und das Institut für Angewandte Mathematik beherbergte und heute als Lehr- und Forschungsgebäude der Friedrich-Schiller-Universität Jena genutzt wird.