Biografie Ernst Abbe

„Dieser Ernst Abbe hat eine Wissenschaft revolutioniert.”
“Seine geschichtliche Stellung ist durch die einzigartige Verbindung strenger Forschungsarbeit mit technischem Erfindergeschick und geschäftlichem Organisationsgeschick bestimmt. Sie ließ ihn zum Begründer der Weltstellung der deutschen optischen Industrie werden. Fast noch großartiger ist der Eindruck von Abbes sozialpolitischem Reformwillen in der Verbindung von ethischem Rigorismus gegenüber den Gelddingen und sachlicher Unbefangenheit vor der neuzeitlichen Arbeiterbewegung.“
Theodor Heuss, „Abbe, Ernst Carl“, in: Neue Deutsche Biographie 1 (1953), S. 4 [Onlinefassung]; 1953

1840

Ernst Abbe wird am 23. Januar 1840 in Eisenach geboren

1857-1861: Studienzeit

Unter der Fächerbezeichnung „Mathematik“ hört Ernst Abbe in seinen zwei Studienjahren in Jena Vorlesungen zur Physik, Mathematik, Botanik, Philosophie, Logik, Psychologie, Ästhetik, Neueste Geschichte und Pädagogik. Da Göttingen die zu Abbes Zeiten modernste Mathematikausbildung bietet, wechselt Abbe an die dortige Universität, wo er auch zum Thema “Erfahrungsgemäße Begründung des Satzes von der Äquivalenz zwischen Wärme und mechanischer Arbeit” promoviert. Nach dem Studium arbeitet er ein Jahr am Institut des Physikalischen Vereins in Frankfurt. Der reiche Frankfurter Privatgelehrte Michel Reiss finanziert seine Habilitation, die er im August 1863 in Jena einreicht (Titel der Habilitation: “Über die Gesetzmäßigkeit in der Verteilung der Fehler bei Beobachtungsreihen”).

1863

Ernst Abbe wird Privatdozent für Mathematik und Physik an der Universität Jena

Ernst Abbe als Privatdozent (1863)


1866

Beginn der Zusammenarbeit mit Carl Zeiss. Abbe unterstützt Carl Zeiss in wissenschaftlichen Fragen zum Mikroskopebau

1866-1872

Abbe möchte die primär auf praktische Erfahrungen gestützte Mikroskopfertigung stärker auf eine wissenschaftliche Grundlage stellen. Er stellt Berechnungen von Mikroskopobjektiven an, erforscht optische Gesetze und findet heraus, dass für den Durchgang der Lichtstrahlen durch die Linsen außer den Brechungsgesetzen auch die der Beugung des Lichts von Bedeutung sind. Zur Verdeutlichung dieser Gesetzmäßigkeit formuliert er den nach ihm benannten Abbe'schen Sinussatz. Damit begründet Abbe den wissenschaftlichen Mikroskopebau.


1870

Ernennung zum außerordentlichen Professor

1871

Heirat mit Elise Snell; aus dieser Ehe gehen die beiden Töchter Margarete und Paula hervor.


1875

Ernst Abbe wird Teilhaber von Carl Zeiss. Obwohl er nur ein Drittel der Geschäftsanteile besitzt, werden ihm von Carl Zeiss 40% des Reingewinns zugesprochen. 1883 erhält er 45% und nach dem Ausscheiden von Carl Zeiss sogar 50%, was die hohe Wertschätzung, die Carl Zeiss Ernst Abbe entgegenbringt, zeigt.

1877

Abbe wird Direktor der Sternwarte Jena

1884

Gründung der Glastechnischen Versuchsanstalt Schott und Genossen zusammen mit Carl Zeiss und Otto Schott

1889

Gründung der Carl-Zeiss-Stiftung, Gründungsurkunde mit 17 Paragraphen, die bereits wesentliche soziale Verpflichtungen und Aufgaben der Stiftung hinsichtlich der beiden Stiftungsunternehmen festlegt, bei der Verwendung der Erträge der Stiftungsunternehmen gleichzeitig aber deutlich die Förderung der Wissenschaft an der Universität Jena betont.

1891

Ernst Abbe überträgt seine Anteile an den beiden Unternehmen auf die Carl-Zeiss-Stiftung. Gegen eine vereinbarte Abfindung überträgt auch Roderich Zeiss seine Anteile am Zeisswerk auf die Stiftung. Am 30. Juni wird die Carl-Zeiss-Stiftung im Handelsregister als Alleineigentümerin von Carl Zeiss eingetragen. Gleichzeitig wird sie anteilige Eigentümerin des Glaswerks.

1896

Verabschiedung des endgültigen Textes des Stiftungsstatuts am 26. Juli mit 122 Paragraphen, die die Regelungen in der Gründungsurkunde modifizieren, ergänzen, erweitern und vertiefen. Für die Ausarbeitung dieses Stiftungsstatuts, die eine ungewöhnliche juristische Leistung des Naturwissenschaftlers Abbe darstellt, wurde Ernst Abbe im Dezember anlässlich des 50-jährigen Bestehens der Optischen Werkstätte von der Juristischen Fakultät der Universität Jena zum Ehrendoktor der Rechte ernannt.

1901

Ernennung zum Ehrenmitglied der Sächsischen Akademie der Wissenschaften in Leipzig und der Königlichen Gesellschaft der Wissenschaften in Göttingen

Ernst Abbe am Gartentor seines Hauses


1902

Die Stadt Jena ernennt Ernst Abbe zu ihrem Ehrenbürger

1904/1905

Ernst Abbe wird von Otto Wiener und Adolf Winkelmann für den Physik-Nobelpreis vorgeschlagen

1905

Ernst Abbe stirbt nach längerer Krankheit am 14. Januar in Jena