1933 - 1971

Zerstörtes Zeiss-Werk (1945)


1933

Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten wird Julius Dietz, ein überzeugter NSDAP-Anhänger, als neuer Stiftungskommissar eingesetzt. Das Stiftungsstatut wird ohne Rücksicht auf den Stifterwillen „politisch“ angepasst. Unter anderem wird das im Statut verankerte Gebot der Toleranz gegenüber Abstammung, Bekenntnis und Parteistellung von Mitarbeitern (§ 56) abgeschafft. Zwischen Julius Dietz und der Gauleitung auf der einen Seite und der Geschäftsführung der Unternehmen und einzelnen mutigen Bürgern wie der Abbe-Tochter Grete Unrein auf der anderen Seite kommt es zu heftigen Auseinandersetzungen. Sie gipfeln in einer Klage gegen den thüringischen Innenminister Fritz Wächtler wegen der erzwungenen Änderungen des Statutes.

1945

Amerikanische Truppen besetzen Jena und die Betriebe Zeiss und Schott. Bei ihrem Abzug im Juni 1945 nehmen sie 122 führende Mitarbeiter (Wissenschaftler, Ingenieure, gesamte amtierende Geschäftsführung) und wichtige Unterlagen mit in den Westen. Zunächst werden die Mitarbeiter in Heidenheim an der Brenz interniert, die Unterlagen werden zur Auswertung in die USA geschafft.
15. November: Wiederherstellung des vor 1933 gültigen Statuts.

1946

Die in den Westen verlagerten Zeiss-Mitarbeiter beginnen mit dem Aufbau eines Optischen Werkes in Oberkochen unter dem Namen Opton. Schott-Mitarbeiter bauen 1951/52 ein neues Werk in Mainz auf. In Jena werden die Betriebe von Zeiss und Schott von der russischen Militärmacht bis auf einen minimalen Restbestand von 6% demontiert. Material und Personal werden in die UdSSR abtransportiert.

1947

Umbenennung der „Opton Optische Werke Oberkochen GmbH“ in „Zeiss Opton Optische Werke GmbH“.

1948

Die Jenaer Stiftungsbetriebe werden enteignet und in Volkseigene Betriebe überführt.
Die Firma Opton beantragt bei der baden-württembergischen Landesregierung, den Sitz der Stiftung nach Heidenheim zu verlegen. Dem wird 1949 vom Justizministerium stattgegeben. Gleichzeitig bleibt in Jena die dortige Carl-Zeiss-Stiftung weiterbestehen.

1951

Das Oberkochener Unternehmen Opton benennt sich in Carl Zeiss um. Damit gibt es ab 1951 die VEBs Carl Zeiss und Jenaer Glaswerk Schott & Gen. in Jena sowie die Stiftungs-
unternehmen Carl Zeiss in Oberkochen und Jenaer Glaswerk Schott & Gen. in Mainz. Carl Zeiss Jena unterstützt den Aufbau im Westen, indem es Unterlagen und auch Fachleute zur Verfügung stellt. Im Gegenzug werden von Oberkochen und Mainz Neuentwicklungen nach Jena geliefert.

1953

Beschluss der DDR-Regierung, dass künftig der Außenhandel nicht mehr von Carl Zeiss Jena direkt, sondern nur über den Deutschen Innen- und Außenhandel (DIA) abgewickelt werden darf. Eine Zusammenarbeit zwischen Zeiss Ost und West ist damit nicht mehr möglich. Kurz darauf werden 15 Jenaer Zeiss-Mitarbeiter, die die Zusammenarbeit mit dem Westen unterstützt haben, unter dem Verdacht der „Schädlingsarbeit und Spionage“ verhaftet.

1954

Die Carl-Zeiss-Stiftung in Jena, der VEB Carl Zeiss Jena und das Unternehmen Carl Zeiss in Oberkochen verklagen sich gegenseitig mit dem Ziel, dem jeweils anderen die Verwendung der Waren-zeichen und des Wortes „Zeiss“ in der Firmenbezeichnung zu verbieten.

1959

Die Geschäftsleitungen der Firmen Zeiss Oberkochen und Schott Mainz, die in der Übergangszeit als provisorische Stiftungsverwaltung tätig waren, reaktivieren die im Statut vorgesehene Stiftungsverwaltung, die nun vom Kultusministerium des Landes Baden-Württemberg wahrgenommen wird. Das Kultusministerium bestellt statutengemäß einen Stiftungskommissar.

1971

Im so genannten ‘‘Londoner Abkommen’‘ kommt es zu einer Verständigung über die weltweite Verwendung der Warenzeichen. Der ausgehandelte Kompromiss sieht vor, dass jeder in seiner politischen Hemisphäre den Namen Carl Zeiss bzw. Jenaer Glaswerk tragen darf.